Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek

Ihr Kind liegt uns am Herzen!


Die Zukunft kann alles verändern


Eine Zukunftsgeschichte von Malin Moser

Inhaltsverzeichnis / Einleitung


Die 16jährige Allie wurde beim Abschreiben erwischt! Leider ist sie viel zu schüchtern, um die Situation aufzuklären. Als sie dann mit dem mitschuldigen Jonas allein ist und sich wünscht, dass dieser Tag schon seit langem vorbei sein möge, finden sich die beiden plötzlich in einer fremden Welt wieder und müssen gemeinsam ein Abenteuer bestehen. Allerdings können sich die zwei nicht ausstehen!

Um wieder nach Haus zu kommen, brauchen Allie und Jonas ein Buch, um das es gerade einen wilden Krieg gibt.

 


 

Die Zukunft kann alles verändern



Episode 1


„Alyson!“ Die strenge Stimme meines Klassenlehrers drang an meine Ohren. „Hast du in der Arbeit von Jonas abgeschrieben?“, fuhr Herr Klose fort.

Ich und abschreiben? Eventuell hatte ich während der Klassenarbeit mal kurz zu ihm geschaut, aber abgeschrieben hatte ich ganz sicher nicht. Aber ich hatte deutlich gesehen, wie Jonas immer wieder auf mein Blatt geschaut hatte. Nur, wie sollte ich dem Lehrer das erklären? Ich war sehr schüchtern, weshalb ich bestimmt kein Wort vernünftig aussprechen würde. Ruhig bleiben, Allie!


„Ich habe nicht...“ Ich brach ab, als Herr Klose den Kopf hob, so dass ich in sein wütendes Gesicht blickte.


„Alyson, das ist doch sonst nicht deine Art! Oder hat Jonas bei dir abgeschrieben? Frau Bullerbeck hat nicht gesehen, wer von euch beiden betrogen hat. Du musst mir jetzt einfach erzählen, was passiert ist.“ Mit seinen großen, dunkelblauen Augen blickte er mich über den Rand seiner Lesebrille auffordernd an.


Ich bekam wieder kein Wort heraus, sondern wurde nur noch kleiner auf meinem Stuhl und versuchte, mich hinter meinen langen hellbraunen Haaren zu verstecken.


Endlich schien auch Herr Klose verstanden zu haben, dass ihn dieses Gespräch mit mir nicht weiter brachte, denn er schickte mich zu Jonas in den Nebenraum, um mit Frau Bullerbeck das weitere Vorgehen zu besprechen.


Als ich das kleine Zimmer betrat, schlug mir sofort der leicht muffige Geruch entgegen, der unseren Nebenraum ausmachte. Ich liebte diesen Platz, weil ich hier immer einen Rückzugsort gefunden hatte.


Jonas, der bis eben den Kopf in den Händen vergraben an der Fensterbank gelehnt hatte, schrak hoch, als er die Tür hörte.


„Und? Was hat der Klose gesagt? Bekommen wir eine Sechs?“, fragte er sofort und kam auf mich zu. Kalte Wut hämmerte in meinem Inneren, doch ich sagte nichts.


„Ich wünschte, dieser Tag wäre längst vorbei und wir wären schon so weit in der Zeit, dass jeder den heutigen Tag vergessen hat“, murmelte ich leise vor mich hin. Als ich das letzte Wort ausgesprochen hatte, wurde mir schwindelig und ich schloss die Augen. Ich hatte das Gefühl zu fallen, dachte jedoch, dass es nur mit dem plötzlichen Schwindel zu tun hatte.





„Allie? Alles okay?“ Ich öffnete die Augen und spürte weiches Gras unter mir. Jonas kniete neben mir und sah mich besorgt an. Doch statt auf seine Frage zu antworten, stellte ich selbst eine Frage: „Wo sind wir?“ Ich konnte die Angst in meiner Stimme nicht verbergen.


Ich schaute nach oben und sah roboterartige Vögel in der Luft fliegen. Hektisch schaute ich mich um. Alles sah aus wie in einem Science-Fiction-Film und wirkte dennoch vertraut. Wir befanden uns auf einem parkähnlichen Gelände. Um uns herum standen knorrige Bäume, sie waren rosa lackiert. Dahinter konnte man sehr hohe Gebäude aus Glas und Stahl ausmachen. Dafür, dass wir uns offenbar in der Nähe einer Stadt befanden, war es überraschend ruhig. Keine Menschenseele war zu sehen.


Was war geschehen? Und noch einmal: Wo waren wir? Mein Herz schlug schneller, als ich die Situation realisierte: Wir waren irgendwo im Nirgendwo! Ich wusste nicht, wie wir hierher gekommen waren. Und, was noch schlimmer war: Ich war mit Jonas hier! Jonas, der unsympathischste Junge meiner Klasse. Nein, der ganzen Schule! Ich schüttelte den Gedanken ab. Es half nichts, ich musste mich jetzt zusammenreißen.


Jonas, der mich die ganze Zeit beobachtet hatte, hielt mir jetzt seine Hand zum Aufstehen hin, doch ich schlug sie weg. Von dem brauchte ich keine Hilfe!


„Ich bin auch nicht froh, mir dir hier zu sein!“, knurrte er.


„Du kannst meine Gedanken lesen?“, fragte ich schaudernd.


„Nein, aber eben war es ... Es ging irgendwie!“ rechtfertigte er sich.


Plötzlich hörten wir Stimmen, die näher kamen. Ehe ich protestieren konnte, schob mich Jonas hinter einen der rosa Bäume und bedeutete mir, still zu sein. „Wir wissen nicht, was hier vor sich geht, also sollten wir besser nicht gesehen werden.“, flüsterte er mir zu. Genau das war gerade meine Idee gewesen! So langsam wurde mir die Gedankenleserei unheimlich.


Zwei Personen kamen auf uns zu und blieben kurz vor unserem Baumversteck stehen. „Nathaniel wird immer stärker!“, hörte ich eine Stimme, die exakt wie meine klang. Vorsichtig lugte ich um den Baum und mir stockte der Atem: Das Mädchen zu der Stimme sah mir täuschend ähnlich. Aber wie konnte das sein?

Als die zweite Person antwortete, ließ ich meinen Blick zu ihr wandern und erschrak ein zweites Mal! Der Kerl da sah aus wie Jonas’ Zwilling, den er nicht hatte!


„Wir dürfen keinem mehr trauen! Allie, wir müssen das jetzt zu zweit schaffen!“, hörte ich die Jonas-Kopie sagen. Aber etwas an den beiden war anders als bei uns. Sie wirkten sehr vertraut, schienen gut befreundet zu sein.


„Was wird passieren, wenn Nathaniel das Buch entschlüsselt?“ fragte der geklonte Jonas.


„Dann wird er die Vergangenheit auslöschen, damit sich niemand an frühere Helden erinnert und Nathaniel nicht mit ihnen verglichen werden kann. John F. Kennedy, Albert Einstein und Co werden nicht existiert haben!“, antwortete mein Ebenbild verzweifelt.


Als ich diese Worten hörte, verstand ich plötzlich: Wir waren in der Zukunft!

Episode 2


„In der Zukunft?“, fragte Jonas ungläubig, als ich ihm dien Zusammenhang erklärte. Ich nickte traurig. „Wir müssen zu diesem Buch! Ich glaube, es kann uns die Antworten auf all unsere Fragen geben.“ Jonas sah mich skeptisch an.


„Und wo ist dieses wundersame Buch?“ Seine Stimme war voller Hohn und Ironie.


„Sollen wir mal unser Zukunfts-Ich fragen?“, überlegte ich.


„Was haben wir schon zu verlieren?“, seufzte Jonas und wir liefen unseren Doppelgängern hinterher. Dummerweise hatten wir uns nicht überlegt, wie wir die beiden ansprechen wollten. Schüchtern wie ich war, fehlten mir natürlich wieder einmal die Worte.


Jonas gab sich einen Ruck. „Hallo! Wartet mal bitte!“ In den Gesichtern unserer Klone waren die Überraschung und das Unverständnis deutlich zu sehen, als sie uns erblickten. Doch wir mussten nicht viel erklären.


„Ihr kommt aus der Vergangenheit, oder?“ fragte die Zukunfts-Allie. Wir nickten verlegen.


Ich nahm all meinen Mut zusammen. „Wir wollen nicht lange stören. Sagt uns einfach, wie wir an dieses Buch kommen, von dem ihr gesprochen habt und wie wir in unsere Zeit zurückkommen.“, sagte ich schüchtern.


„Das ‚Buch der Zeiten’ ist im Besitz von Nathaniel“, erklärte Jonas’ Ebenbild. „Er hat es an sich gerissen, um die Macht über die Zeit zu erlangen. In diesem Buch steht alles über die Herrschaft über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nathaniel ist nicht klug genug, um mit diesem Wissen verantwortungsvoll umzugehen. Er würde die Macht, die dieses Wissen ihm verleiht, missbrauchen. Das ‚Buch der Zeiten’ ist in einer geheimen Runenschrift verfasst. Wer es entschlüsselt, der hat die Macht, Vergangenheit und Gegenwart auszulöschen und die Zukunft nach seinen Wünschen zu gestalten. Seit das Buch aufgetaucht ist, kämpfen wir gegen Nathaniel, um zu vermeiden, dass er die Runen decodiert.“


„Und wenn es Nathaniel gelingt ... dann ... kommen wir nie mehr nach Hause!“ Jonas wurde blass und musste schlucken.


„Helft uns, und den Krieg um das ‚Buch der Zeiten’ zu gewinnen, indem wir es vernichten. Dann werdet ihr wieder nach Hause zu kommen!“ Der Vorschlag meiner Doppelgängerin klang logisch.


Nachdem unsere zwei neuen Freunde uns einen kurzen Überblick über die Stadt und alle Orte gegeben hatten, an denen sie bereits vergeblich gesucht hatten, trennten wir uns, um unser Glück in verschiedenen Richtungen zu suchen.


„Wo würdest du ein Buch verstecken?“, fragte mich Jonas. „Dort, wo es am wenigsten auffällt.“, lautete meine Antwort. Wir dachten nach. „In der Bibliothek!“ riefen wir plötzlich wie aus einem Mund.


Also machten wir uns auf den Weg zur Bibliothek. Beim Betreten sahen wir uns vorsichtig um. Sie war fast menschenleer. Nur ein Mann mittleren Alters fiel uns sofort auf. Er sah sich immer wieder verstohlen um. Als er uns entdeckte, rannte er auf uns zu, packte Jonas am Arm und zog ihn mit sich. Jonas schrie auf und versuchte sich loszureißen. Für einen Siebzehnjährigen hatte er überraschend viel Kraft, doch der Mann war deutlich stärker. Er schleppte Jonas in eine Nische, zog ein Buch aus einem Wandregal und eine geheime Tür öffnete sich und gab den Blick auf eine abwärts führende Treppe frei. Zwei Roboter erschienen wie aus dem Nichts hinter mir. Der Mann gab ihnen einige Zeichen, ohne den heftig um sich schlagenden Jonas loszulassen. Dann schloss sich die Wand hinter Jonas und seinen Gegner und ich war mit den beiden allein in der Bibliothek.




Episode 3


Ich rannte los, dicht gefolgt von den beiden Blechbüchsen. Fieberhaft überlegte ich, wie ich sie abhängen konnte, während ich zwischen den langen, büchergefüllten Regalen durch die Bibliothek lief. Als ich an der Physik-Abteilung vorbeikam, hatte ich einen Geistesblitz. Optik! Nathaniel hatte den Robotern Zeichen gegeben, also mussten sie sehen können! Aber wie? Durch ihre Augen oder durch die Steuerungseinheit auf ihrer Brust? Egal! Jetzt wusste ich, was ich tun musste. Ich suchte nach dem Schild „Toiletten“ und düste in den Waschraum, als ich ihn gefunden hatte. Schnell hängte ich einen Spiegel ab und lief damit in Richtung Ausgang. Dann drehte ich mich mit dem Spiegel in der Hand um. Da kamen meine Verfolger auch schon angerollt – und blieben abrupt stehen, als sie ihr Spiegelbild sahen. Damit konnten sie nichts anfangen! Sie waren völlig irritiert und taten gar nichts mehr. Ich stellte den Spiegel vorsichtig ab und lehnte ihn so an die Wand, dass die beiden Maschinenmenschen sich weiterhin darin betrachten konnten. Dann verließ ich schnell die Bibliothek.


Auf der Straße lief ich direkt unseren Zukunfts-Zwillingen in die Arme. Atemlos berichtete ich, was gerade geschehen war.


„Das war Nathaniel! Er hat Jonas für mich gehalten! Wir müssen hinterher!“ rief das Jonas-Pendant.


Vorsichtig kehrten wir in die Bibliothek zurück und schon nach kurzem Suchen fand ich das Buch, das die Geheimtür öffnete. Leise schlichen wir die Treppe hinunter. Hier roch es modrig, dazu nach einer Mischung aus verbranntem Holz und alten Kartoffeln – mir drehte sich fast der Magen um.


„Seltsam, dass es hier keine Wachen gibt“, murmelte Zukunfts-Allie. Da hörten wir ein entferntes Scheppern. Wir verharrten einen Moment und als nichts passierte, gingen wir weiter.


Verlaufen konnten wir uns nicht, der einzige Weg führte uns in einen großen Raum. Es war warm, denn an der Wand befand sich ein Kamin, in dem ein Feuer knisterte. An einem großen Tisch saßen sich Jonas und Nathaniel gegenüber. Der Entführer redete laut und ungeduldig auf seine Geisel ein.


„Jetzt lies schon! Du bist der Einzige, der Runen lesen kann. Lies und übertrage die Macht auf mich!“


Jonas sah sein Gegenüber genervt an. „Zum 3. Mal: Ich. Kann. Keine. Runen. Lesen!“ rief er, jedes Wort einzeln betonend, als spräche er mit einem Schwachsinnigen.


Plötzlich war hinter uns ein leises Geräusch zu vernehmen. Metallene Hände versuchten nach uns greifen. Als wir uns umdrehten, sahen wir uns den beiden mir bereits bestens bekannten Robotern gegenüber.


„Allie, das Buch!“ rief mein Ebenbild.


Ohne nachzudenken riss ich mich los und stürmte auf den Tisch zu, auf dem das ‚Buch der Zeiten’ lag. Den mir folgenden Roboter hängte ich mit einem kräftigen Tritt gegen das Steuerungsmodul auf seiner Brust ab. Ich riss Nathaniel, der völlig überrumpelt war, das Buch aus der Hand und sah mich suchend um.


Da fiel mein Blick auf den Kamin und nach einem kurzen Blick auf meinen nickenden Zwilling warf ich das ‚Buch der Zeiten’ mit Schwung ins Feuer. Nathaniel schrie auf und versuchte, es den Flammen zu entreißen, doch es brannte schon lichterloh.


Plötzlich hatte ich das Gefühl zu fallen und schloss die Augen für einen Moment. Als ich sie wieder öffnete, befanden Jonas und ich uns im Nebenraum unseres Klassenzimmers.


„Nein, ich möchte nicht zurück ohne unseren Sieg gefeiert und mich richtig verabschiedet zu haben!“ dachte ich. Und dann: „Andererseits bin froh, wieder hier zu sein.“


Jonas grinste mich an, als hätte er meine Gedanken gelesen.


Ob wir das wir das Ganze nur geträumt hatten oder ob es Wirklichkeit gewesen war, wusste ich nicht. Ich spürte nur die Vertrautheit und Freundschaft zu Jonas und wusste in diesem Moment, was ich tun musste, um unsere Note für die Klassenarbeit zu retten.


Und ein neues Gefühl durchflutete mich: Selbstbewusstsein!